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"Ich rechne nie wieder!, Basta!"


Wieder einmal regnet es ohne Unterlass.

Der Himmel ist wolkenbehangen und es erscheint einem der stetige Wunsch nach Strand und Palmen.

Mitten im Traum schellt es und ich erwache aus meinem sonnigen Traum.

Sahra ist angekommen und freudig trete ich zur Türe, um sie zu öffnen.

Der erste Blick spricht Bände.

Zerknierscht schaut Sahra auf die Fußmatte und ihre Mutter kann ihre Aufregung kaum verbergen.

Die Schulbücher und Hefte werden mir gereicht und Sahras Mutter richtet einen hilfesuchenden Blick in meine Richtung.

 

 


Sahra sieht mich das zweite Mal in ihrem Leben und sie weiß nicht was nun auf sie zu kommt.

Es gibt ein Fremdwort, welches sie sehr gut kennt - "Dyskalkulie".

Sie hört es fast täglich und täglich sind die Zahlen ihr Begleiter.

Als Sahra im Behandlungsraum angekommen ist, beginnen wir zusammen mit der Körperarbeit.

Durch gezielte Übungen und Abläufe erhält Sahra ein Gefühl für die Raum-Lage Wahrnehmung.

Die sensomotorische Stimulation schafft eine positive Grundlage für Bewegungskoordination und Körperwahrnehmung.

Nach 10 Minuten schaut mich Sahra an und spricht aus, was ihr durch den Kopf geht:" Hätte mir das Ganze hier viel krasser vorgestellt. aber eins sage ich dir. Ich mache kein Mathe und setze mich auch an keinen Schreibtisch."

Dies war ein klares Signal an mich.

"Ich auch nicht", erwiederte ich und griff in meine Erbsenkiste.

"Denke, dass du einfach gar nichts machst."

Sahra sieht mich verwundert an und nickt.

 


Nach weiteren Minuten bitte ich Sahra sich auf den Teppich zu legen.

Ein Kissen stützt ihren Kopf und eine Decke wärmt ihren Körper.

"Wir machen ein Spiel", sage ich zu ihr.

"Du legst beide Arme zur Seite und öffnest beide Hände.

Sahra schloss die Augen und öffnete beide Hände.

Nach und nach rieselten in die linke Hand 5 Erbsen.

Sahra lächelt und ruft:"Klaro, du hast mir 5 Erbsen in die Hand gelegt."

Nun wanderten 10 Erbsen in die rechte Hand.

Sahra kicherte jedes Mal und berichtete über das, was sie in ihren Händen fühlte.

Sie berichtete, in welcher Hand sich wie viele Erbsen befinden und wo sich mehr oder weniger Erbsen befinden.

Sahra zählt alle Erbsen zusammen und bestimmt darüber, wie viele Erbsen es noch sein sollen.


Irgendwann sind alle Hände voll,

keine Erbse findet mehr ihren Platz in einer Hand.

"Was nun?", frage ich Sahra.

"Hätte noch Schälchen und eine Waage, falls du magst."

Sahra war so vertieft in ihrem Erleben, dass Schälchen und eine Digitalwaage ihre Anwendung fanden.

Es wurde gewogen, verglichen, gemessen und genossen.

Nach einer Zeit bat Sahra um ein Blatt Papier und um einen Stift.

"Es wird mir langsam zu unübersichtlich", sagt sie.

Sie sortiert sich die Erbsen in Zahlen und Verhältnismäßigkeiten.

 


Als die Stunde vorbei ist, schaut mich Sahra freudig an.

"Das Spielen hat mir Spaß gemacht".

So kam eine Einheit zu Nächsten, bis Sahra irgendwann sagte:

"Andrea, ich habe ein Problem."

Ich fragte:"Was meinst Du?"

Sahra antwortet:"Ich habe keine Dyskalkulie mehr... Was machen wir nun? In Deutsch habe ich aber Probleme!"


Dies ist eine wahre Schilderung.

Der Name ist erfunden, die Schilderung wahr.

Sahra ist gut aufgestellt und nicht mehr in Behandlung.

Es war eine schöne Zeit von 2 Jahren.

Danke!


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