· 

Keine ruhige Minute


Was habe ich in all den Jahren
Ohne dich eigentlich gemacht
Als Tage noch tagelang waren
Wie hab' ich sie nur 'rumgebracht?
Ohne Spielzeug zu reparieren,
Ohne den Schreck, der Nerven zehrt
Ohne mit dir auf allen vieren
Durch's Haus zu traben als dein Pferd?
Keine ruhige Minute
Ist seitdem mehr für mich drin
Und das geht so, wie ich vermute
Bis ich hundert Jahre bin!
Du machst dich heut' in meinem Leben
So breit, dass ich vergessen hab'
Was hat es eigentlich gegeben
Damals, als es dich noch nicht gab?
Damals glaubt' ich, alles zu wissen
Bis du mir die Gewissheit nahmst
Nie glaubt' ich etwas zu vermissen
Bis an den Tag, an dem du kamst!
Keine ruhige Minute
Ist seitdem mehr für mich drin
Und das geht so, wie ich vermute
Bis ich hundert Jahre bin!
Das Haus fing doch
Quelle: LyricFind

Bin ich wach oder schlafe ich?

Ein Zucken durchfährt meinen Körper und alles spannt sich in mir an.

Alle meine Sinne, mein ganzer Körper ist in Rufbereitschaft.

Es kommt aus dem Kinderzimmer, immer näher und deutlicher in mein Bewusstsein.

Angespannt springe ich aus dem Bett, und bin schneller im Kinderzimmer,

als ich es mir selber zugetraut habe.

Mein Blick wandert zum Kinderbett und dort zeigt sich der wahre Grund meiner schlaflosen Nächte.

Tränen rinnen über das Gesicht meines Kindes und es schaut mich hilfesuchend an.

Ob es ein Traum war?

Meine Arme strecken sich zum Kinde und es schmiegt sich geborgen in meine Arme.


Mit 25 Jahren sprangen wir mit nicht endender Energie und Freude feuchtfroh durch die Nächte.

Die Tage mit Arbeit und Terminen erledigten wir mit Links und man sah uns diese Strapazen in keinster Weise an.

Die Komplimente ließen nicht lange auf sich warten und wir waren mitten drin im Geschehen.

Nun steckt unsere Nase oftmals mittendrin und verzieht sich vom "Duft".

Wir tragen mehr Klamotten am Tage als uns lieb ist und unserer Waschmaschine wird vor Schleuderei ganz übel.

Ein Blick in den Spiegel zeigt uns die Weiten der Ringe und Schwellungen und unsere Augen sind verborgen wie der Schatz im Bodensee.


Kinder fordern uns heraus, zu jeder Minute unseres Lebens.

Es ist nicht nur unser Leben, sondern auch das unserer Kinder.

Wir fordern unsere Kinder und unsere Kinder fordern uns heraus.

Ein gegenseitiges Geben und Nehmen im Sinne eines gemeinsamen Miteinanders.

Der Unterschied ist, dass wir schon so einige Jahre auf dem Buckel haben und auch einmal in der Lage eines "Kindes" waren.

 

Wie waren wir denn so als Kind?

Hatten unsere Eltern Geduld mit uns?

Wie waren unsere Eltern als Kinder?

Hatten ihre Eltern Geduld mit ihnen?

Haben alle Eltern ihre Rolle als Eltern gefunden und (er)leben können?


Wir alle als Eltern hatten eine besondere Zeit "Eltern" zu werden.

Unsere Großeltern und Urgroßeltern lebten das Elternsein zu Kriegszeiten.

In diesen Zeiten war das Leben voller Angst überschattet und die Freude über die Kinder wurde durch Hunger und Not überschattet.

Die Sorge um die Kinder war größer, als die um sich selber.

Die Nahrung war knapp und die Sorge um das Überleben groß.

In der heutigen Zeit haben wir unsere eigenen Themen, Gedanken, Wünsche und Hoffnungen.

Die Freude über unsere Kinder und die Liebe zu ihnen zeigt sich in vielen kleinen Gesten und Begegnungen.


Unsere Kinder fordern von Anfang an alles von uns.

Das Augenmerk steht auf alles, was unseren Kindern hilft zu wachsen und zu gedeihen.

Ob es alle 10 Minuten, alle halbe Stunde, jede Stunde oder seltener ist,

jedes Alter fordert alles von uns, was es für seine Entwicklung (notwendigerweise) braucht.

Wir als Eltern sind gefordert unseren Kindern einen Weg in ihr eigenes Leben zu ermöglichen und sie zu begleiten.

Da unsere Kinder nicht klein bleiben, lernen sie von uns für ihr eigenes Leben und für die Chance gehaltvoll erwachsen zu werden.

 


Unsere Kinder beobachten uns von Anfang an ganz genau.

Alles was wir an Liebe und Fürsorge (vor)leben, wird in Vertrautheit angenommen und in das eigene Weltbild übertragen und übernommen.

Wenn man es ganz genau nimmt, sind wir die größten "Vorbilder" unserer Kinder.

Wir haben den oder die größten "Fans" unseres Lebens an unserer Seite, egal wie wir den Tag so für uns bewerten.

Wir werden nachgeahmt und bewundert, betrachtet und bestaunt.

Oftmals bemerken wir gar nicht die aufmerksamen Blicke, die uns verfolgen ;-)


Nun werden wir so intensiv beobachtet, dass es mal etwas Abwechselung braucht.

Das magische "Ich" und sein "Selbst".

Jeder von uns, und jeder von unseren Eltern und Großeltern hat es entdeckt und versucht durchzusetzen.

Wir haben getrotzt was das Zeug hält und es hielt unsere Eltern auf Trapp.

Nun hält es auch uns auf Trapp und wir sehen die Kraft des Kindes, sich für sich selber einzusetzen.

Es ist eine Kraft, die für sich selbst nutzbar gemacht wir und sich nicht gegen uns direkt als "Eltern" richtet.

In erster Linie bezieht sich das Kind auf ein Bedürfnis, welches sich auf sich selber bezieht und durchgesetzt werden will.

Das Kind "will etwas" oder das Kind "will etwas nicht".

 

Was will denn das Kind, was will es denn nicht?

 

Das Kind hat noch keine Jahrzehnte gelebt, um zu verstehen, was Recht, Gesetz, Norm und Sitte ist.

Das Kind wünscht sich die Welt in uneingeschränkten Möglichkeiten,  ohne Grenzen und mit voller Entfaltungsmöglichkeit.

Das Kind wünscht sich, sich selbst in all seinen Ideen, Möglichkeiten und Fähigkeiten zu erleben, zu entwickeln und alles um sich herum "grenzenlos" zu entdecken.

Alle Regeln und Einschränkungen dieser Welt sind im Weg, nicht erklärbar und nicht zu akzeptieren.

Warum auch?


Hier zeigt sich die Balance zwischen der Entfaltung einer individuellen Persönlichkeit und der Regelung einer gesellschaftlichen und familiären Norm und Gegebenheit.

Wir Menschen dieser Erde leben unser Leben teils nach unseren Vorstellungen und sind teils gebunden an gesetzlichen und gesellschaftlichen Vorgaben.

Unsere Kinder in ihren Möglichkeiteneines gesellschaftlichen Rahmens zu begleiten und zu unterstützen,trifft auf Herausforderungen, die früh beginnen.

Es gibt gute Ansätze, jedes Kind gut auf seinem Weg in sein eigenständiges Leben zu begleiten:


Ansätze als Gedankenfutter

  • Wenn mein Kind eine Lebenserwartung von 90 Jahren hat und ich das aktuelle Alter abziehe, wie viele Jahre hat es noch an Zeit vor sich?
  • Wenn mein Kind Kontakt zu mir sucht, mit welchen Mitteln schafft es das?
  • Wenn mein Kind eine Idee hat, wie finde ich es heraus?
  • Wenn mein Kind seinen Willen durchsetzen möchte, wie sehr fühle ich mich als Elternteil und Erwachsener "emotional" betroffen?
  • Geht es um Macht und Kampf?
  • Wie gehe ich mit dieser Kraft meines Kindes um?
  • Wenn mein Kind mich als Vorbild sieht, wie erlebt es mich in solch einer Situation?
  • Wenn mein Kind schnell verzeiht, wie schnell lässt mich das Erlebte los?
  • Wer ist nachtragender?
  • Wenn mein Kind im Konflikt etwas von mir lernen möchte, was könnte dies sein?

Spiegeln

 

Ein Bereich meiner Ausbildung war NLP (neurolinguistisches Programmieren).

Einen Bereich dieser Ausbildung war das Spiegeln.

Im Kontakt zum Kind nimmt man die Gestik, die Minik, die Stimmung und Worte wahr.

Diese Wahrnehmung gibt man dem Kind zurück, in dem man es "spiegelt".

In diesem Moment bezieht man sich ausschließlich auf das, was man von seinem Kind sieht und hört.

Die Ausnahme sind

"Gefahrenmomente!"

(Kind rennt über die Sraße, spielt mit dem Feuerzeug, Messer, ect.)

 

Wenn das Kind (Henry 2,5 Jahre) sich kraftvoll für sich selber einsetzt und wütend ist, dann kann man es auf folgende Art und Weise spiegeln:

  • Henry? "Kontaktaufnahme, Blickkontakt, Aufmerksamkeit"
  • Ich sehe, dass du das Spielzeugauto in den Händen hälst. "Spiegeln"
  • Du bist sehr laut und das höre ich sehr gut. "Spiegeln"
  • Bist du sauer auf Aron? "Teilhabe"
  • Kann es sein, dass du das Auto behalten möchtest? "Teilhabe"
  • Sieh einmal, der Aron weint. Ist Aron traurig? "Aufmersamkeit, Bezug zum Partner"
  • Haben wir noch ein Auto zum Spielen hier? "Idee, Lösungsidee, Teilhabe aller Kinder"
  • Entscheidung "Wer spielt mit welchem Auto?"
  • Ok, Henry spielt mit seinem Auto und Aron mit dem anderen Auto "Versprachlichung, Spiegelung der Vereinbarung"

Hört sich alles komisch an, oder?

Was läuft hier ab?

Alles was es bedarf ist die Aufmerksamkeit auf alles, was wir bei unserem Kind wahrnehmen.

Wir geben unserem Kind das Bild von dem, was es uns nach außen hin zeigt.

Wir geben unserem Kind keine Wertung auf sein Verhalten, sondern wir geben ihm ein Bild von sich selbst.


In der Erwachsenenarbeit wird das Spiegeln so weit eingesetzt, dass der Therapeut stetig die Körperhaltung des Klienten einnimmt.

es wird sich so positioniert, wie es das Gegenüber aufzeigt.

Das Gefühl des Klienten wird teilweise übernommen um ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaffen.

Dies war nie mein Weg.

Bei Kindern sieht dies anders aus, da sie zu 100 Prozent in ihrem Erleben und in ihrem Gefühl stecken.

Das Hineinfühlen und das das sprachliche Wiedergeben an unser Kind gibt ihm das Gefühl verstanden zu werden.

Dies bedeutet nicht einverstanden zu sein, sonder es bedeutet:

 

"Ich sehe dich, ich höre dich, ich verstehe dich in deinem Wunsch."

"Du hast ein Recht auf Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche."

Ich habe dich verstanden und bin bereit, in Möglichkeiten, nach einer Lösung zu suchen."

 

In meiner therapeutischen Intervention war auch die Frustration ein Thema und auch dieses Gefühl bekam seine Berechtigung.

Sie wurde gespiegelt und der Frust ließ nach:

 

Sebastian (10 Jahre alt) ist wütend ohne Ende:

"Scheiß Kacke,

ich gehe nie wieder in die Schule!"

Spiegeln: "Oh man, hört sich krass an!"

Sebastian:"Kein Bock mehr auf die Schulze!" (Mathelehrerin)

Spiegeln:"Die Schulze scheint echt krass zu sein."

Sebastian:"Die nervt total. Ständig nörgelt die rum!"

Spiegeln:"Die nörgelt ständig?"

Sebastian:"Total! Habe echt keinen Bock mehr."

Spiegeln: "Was meinst du mit "kein Bock mehr?"

Sebastian:"Na was denn? Mathe, was sonst!"

Spiegeln: Mathe also... Wieso?

Sebastian: "Ständig ruft sie mich auf."

Spiegeln: Sie ruft dich auf?

Sebastian schluckt und schaut weg.

Spiegeln: Wie geht es dir damit?

Sebastian: "Kacke"

Spiegeln: Verstehe

Spiegeln: Wie kann es dir besser gehen?

Sebastian: "Die soll aufhören!"

Spiegeln:" Sie soll aufhören?"

Sebastian: "Ja!"

Spiegeln:"Warum macht deine Lehrerin das denn?"

Sebastian:"Sie sagt ich soll aufhören zu quatschen."

Spiegeln:"Du sollst aufhören zu quatschen?"

Sebastian:"Ja" (genervter Blick)

Spiegeln: "Nervt dich das?"

Sebastian:"Total"

Spiegeln:"Das merke ich absolut."

Spiegeln:"Willst du denn dass sie aufhört?

Sebastian:"Hmmm, lang gezogeses Jaaaa..., irgendwie schon."

Spiegeln:"Ja?"

Spiegeln:"Ok, hört sich gut an."

Spiegeln: "Nun, was können wir tun?" (Verbindung, Kontakt, Wertschätzung, Wertfreiheit, gemeinsame Ausrichtung)

Beide: Austausch von Ideen,situationsbezogenen Möglichkeiten und Gegebenheiten (Grenzen).


Das Spiegeln und das "aktive Zuhören" sind Möglichkeiten, miteinander in eine gemeinsame Richtung zu sehen und einen gemeinsamen Blickwinkel zu finden.

Es ist nicht jedermanns Sache und das muss es auch nicht sein.

Wir als Eltern haben unsere eigene Vorstellung und jeder von uns findet seinen eigenen Blickwinkel.

Falls jemand von euch weiteres Interesse an Infos hat, darf sich sehr gerne bei mir "kostenlos" informieren.

Meine Praxis ist abgemeldet, jedoch stehe ich euch gerne mit Rat zur Seite.

Liebe Grüße,

Andrea Berghaus


Kommentar schreiben

Kommentare: 0