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Was versteht man unter "Selbstwirksamkeit" und deren Prinzipien?



Was bedeutet Selbstwirksamkeit

 

Biete Ihnen nun einige fachliche Hintergründe.

Bei weiteren Fragen dürfen sie sich sehr gerne bei mir melden.

 

Los geht es:

Der Begriff Selbstwirksamkeit (engl. self-efficacy) wurde maßgeblich vom Psychologen Albert Bandura geprägt.

 

Er beschreibt die Überzeugung eines Menschen,

„aus eigener Kraft schwierige Situationen bewältigen und gewünschte Handlungen erfolgreich ausführen zu können.“

Selbstwirksamkeit ist kein Selbstvertrauen im klassischen Sinne, sondern die innere Gewissheit:

  • Ich kann etwas bewirken.

  • Mein Handeln hat Bedeutung.

  • Ich bin nicht ausgeliefert.

Gerade in der Kindheit entscheidet sich, ob ein Mensch sich später als handelndes Subjekt oder als passives Objekt erlebt.

 


Hintergründe: Warum ist Selbstwirksamkeit ein Grundbedürfnis?

 

Selbstwirksamkeit gehört zu den

zentralen psychologischen Grundbedürfnissen

des Menschen – vergleichbar mit:

  • Sicherheit

  • Bindung

  • Autonomie

  • Kompetenz

Kinder haben ein tiefes inneres Bedürfnis danach,

  • Dinge selbst zu entdecken

  • Herausforderungen zu meistern

  • Einfluss auf ihre Umwelt zu nehmen

Wird dieses Bedürfnis dauerhaft frustriert, entstehen:

  • Rückzug

  • Hilflosigkeit

  • Angst

  • Widerstand

  • Lernverweigerung

 


Entwicklung von Selbstwirksamkeit in der Kindheit

 

1.1 Frühkindliche Phase (0–3 Jahre)

  • „Ich bewege mich – etwas passiert“

  • Ursache-Wirkung wird erlebt

  • Bindungspersonen spiegeln Erfolg („Das hast du geschafft!“)

Grundlage: verlässliche Beziehung + Ermutigung


1.2 Kindergartenalter (3–6 Jahre)

  • Eigeninitiative

  • Ausprobieren

  • Rollenspiele

  • Stolz auf eigene Leistung

Gefahr: Überkontrolle oder ständiges Korrigieren


1.3 Grundschulalter

  • Vergleich mit anderen

  • Leistung wird bewertet

  • Fehler bekommen Bedeutung

Schlüsselphase:
Hier entscheidet sich, ob Kinder denken:

  • „Ich kann lernen“
    oder

  • „Ich bin schlecht“


1.4 Weiterführende Schule / Pubertät

  • Identitätsbildung

  • Selbstbild verfestigt sich

  • Fremdurteile werden verinnerlicht

Ohne Selbstwirksamkeit:
Resignation, Vermeidung, Schulangst

 


Wirkung von Selbstwirksamkeit

 

Gut entwickelte Selbstwirksamkeit führt zu:

Lernbereitschaft

  • Kinder probieren aus

  • Fehler werden als Lernschritt verstanden

Motivation

  • intrinsischer Antrieb

  • Ausdauer bei Schwierigkeiten

Emotionale Stabilität

  • Frustrationstoleranz

  • Stressbewältigung

Sozialkompetenz

  • Konfliktfähigkeit

  • Abgrenzung

  • Empathie

 


Ursachen eines Mangels an Selbstwirksamkeit

 

Ein Mangel entsteht nicht durch das Kind, sondern durch Erfahrungen.

 

Häufige Ursachen:

  • dauerhafte Misserfolge

  • ständige Bewertung

  • Beschämung

  • Vergleich

  • fehlende Beziehung

  • Überforderung oder Unterforderung

  • mangelnde Mitbestimmung

Besonders betroffen sind Kinder mit:

  • Lernschwierigkeiten

  • LRS / Dyskalkulie

  • ADHS

  • emotionalen Belastungen

  • chronischem Stress

 


Auswirkungen fehlender Selbstwirksamkeit

 

In der Schule:

  • Vermeidung von Aufgaben

  • „Ich kann das sowieso nicht“

  • Leistungsblockaden

  • psychosomatische Beschwerden

Im Verhalten:

  • Rückzug oder Aggression

  • Perfektionismus oder Verweigerung

  • Angst vor Fehlern

Langfristig:

  • geringes Selbstwertgefühl

  • erlernte Hilflosigkeit

  • eingeschränkte Lebensgestaltung

 


Methodik & Didaktik: Wie Selbstwirksamkeit entsteht

 

Selbstwirksamkeit entsteht nicht durch Lob, sondern durch Erleben.

 

Zentrale Prinzipien:

  • kleine, erreichbare Schritte

  • sichtbare Erfolge

  • Wahlmöglichkeiten

  • echtes Mitgestalten

  • Fehlerfreundlichkeit

  • Zeitdruck reduzieren

 „Nicht sagen, dass es geht – ermöglichen, dass es gelingt.“

 


Selbstwirksamkeit in der Lerntherapie

 

In der Lerntherapie ist Selbstwirksamkeit keine Begleiterscheinung, sondern zentrales Ziel.

 

Therapeutische Haltung:

  • wertschätzend

  • beziehungsorientiert

  • ressourcenfokussiert

  • transparent

Konkrete Umsetzung:

  • individualisierte Aufgaben

  • multisensorisches Lernen

  • anschauliche Materialien

  • aktive Reflexion

  • Urkunden & Sichtbarmachen von Fortschritt

Kinder erleben:

„Ich bin wirksam – trotz meiner Schwierigkeiten.“

 


Rolle der Familie

 

Eltern können Selbstwirksamkeit stärken durch:

  • Zutrauen statt Kontrolle

  • Zuhören statt Bewerten

  • Fragen statt Vorgaben

  • Fehler zulassen

  • Verantwortung altersgerecht übertragen

Nicht hilfreich sind:

  • Überbehütung

  • ständiges Eingreifen

  • Vergleiche

  • Druck

 


Rolle der Schule

 

Schule kann Selbstwirksamkeit fördern durch:

  • differenzierte Aufgaben

  • transparente Ziele

  • individuelle Lernwege

  • konstruktives Feedback

  • Zeit für Wiederholung

Problematisch sind:

  • starre Leistungssysteme

  • Notenfixierung

  • Tempoorientierung

  • fehlende Beziehung

 


Handlungsempfehlungen (Praxisnah)

 

Für Erwachsene:

  • Prozesse loben, nicht Ergebnisse

  • Fragen wie:
    „Wie hast du das geschafft?“

  • Erfolge sichtbar machen

  • Kinder ernst nehmen

Für Kinder:

  • Ziele gemeinsam formulieren

  • Fortschritte dokumentieren

  • Erfolge feiern

  • Mitbestimmung ermöglichen

 


Erfolg: Warum sich Selbstwirksamkeit lohnt

 

Kinder mit stabiler Selbstwirksamkeit:

  • lernen nachhaltiger

  • sind resilienter

  • zeigen mehr Lebensfreude

  • entwickeln Vertrauen in sich selbst

  • übernehmen Verantwortung

Selbstwirksamkeit ist damit eine der wichtigsten Schutzfaktoren für:

  • psychische Gesundheit

  • schulischen Erfolg

  • soziale Integration

  • lebenslange Lernfähigkeit

 


Fazit

 

Selbstwirksamkeit ist kein pädagogisches Extra, sondern eine Grundvoraussetzung für Entwicklung.

Kinder brauchen keine perfekten Lösungen –
sie brauchen echte Erfahrungen von Gelingen.

 

Gerade in der Lerntherapie liegt eine große Chance:

  • Kindern ihre Wirksamkeit zurückzugeben

  • alte Misserfolgsmuster zu durchbrechen

  • neue Lernbiografien zu ermöglichen

 


Dies war ein etwas längerer Bericht von mir.

Falls es Verständnisfragen gibt, dürfen Sie sich gerne bei mir melden.

Liebe Grüße

Andrea Berghaus