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Wenn Kinder sich selbst nicht mehr zutrauen – Die stille Kraft der Selbstwirksamkeit



Es gibt Kinder, die wirken auf den ersten Blick ruhig, angepasst und unauffällig.

 

Sie stören nicht, fallen nicht auf – und doch tragen sie innerlich eine große Unsicherheit.

Sie trauen sich wenig zu, vermeiden Herausforderungen und reagieren sensibel auf Fehler.

Was oft übersehen wird: Hinter diesem Verhalten steht häufig ein zentrales Entwicklungsthema

die fehlende Erfahrung von Selbstwirksamkeit.

 

Selbstwirksamkeit beschreibt das grundlegende Gefühl eines Kindes:

„Ich kann etwas bewirken.“


Es ist die innere Überzeugung,

Herausforderungen bewältigen zu können, Einfluss auf die eigene Umwelt zu haben und mit Schwierigkeiten umgehen zu können.

Dieses Gefühl entsteht nicht von allein – es wächst durch Erfahrungen.

 

Kinder entwickeln Selbstwirksamkeit vor allem dann, wenn sie:

  • selbst aktiv werden dürfen
  • Herausforderungen bewältigen
  • Fehler machen und daraus lernen
  • erleben, dass ihr Handeln Wirkung zeigt

Fehlen diese Erfahrungen, entsteht oft das Gegenteil: Unsicherheit, Rückzug oder auch Vermeidungsverhalten.

Manche Kinder beginnen früh zu sagen: „Ich kann das nicht.“ – obwohl sie es eigentlich könnten.

Ein besonders spannender Aspekt ist, dass Selbstwirksamkeit nicht nur durch Erfolg entsteht, sondern vor allem durch bewältigte Schwierigkeiten. Kinder, die lernen, dass sie auch durch kleine Schritte ans Ziel kommen, entwickeln ein stabiles Vertrauen in sich selbst.

 

Doch genau hier liegt eine Herausforderung unserer heutigen Zeit:
Viele Kinder werden – oft aus Fürsorge – zu früh unterstützt, korrigiert oder entlastet.

Erwachsene greifen ein, bevor das Kind die eigene Lösung finden konnte. Was gut gemeint ist, nimmt dem Kind jedoch eine entscheidende Erfahrung:

Ich habe es selbst geschafft.

 

In der Folge kann sich eine Abhängigkeit entwickeln – vom Lob, von Anleitung, von äußeren Strukturen. Das Kind orientiert sich zunehmend im Außen, statt im eigenen Können.

 

Für Eltern und pädagogische Fachkräfte bedeutet das nicht, Kinder allein zu lassen.

Im Gegenteil:


Es geht um eine begleitende Haltung statt einer übernehmenden.

 

 

Hilfreich sind dabei kleine, aber wirkungsvolle Veränderungen:

  • Aufgaben in überschaubare Schritte unterteilen
  • dem Kind Zeit geben, eigene Lösungen zu finden
  • Fehler als Lernchancen benennen
  • den Prozess würdigen, nicht nur das Ergebnis
  • gezielt fragen: „Wie hast du das geschafft?“, statt nur zu loben

Auch Sprache spielt eine entscheidende Rolle.

 

Sätze wie
„Du hast dich richtig angestrengt“ oder
„Du hast eine gute Lösung gefunden“


Stärken die Wahrnehmung der eigenen Handlungskompetenz.

 

Besonders in der Lerntherapie zeigt sich immer wieder, wie tiefgreifend diese Entwicklung ist.

Kinder, die beginnen, sich selbst wieder etwas zuzutrauen, verändern ihr gesamtes Verhalten.

Sie werden mutiger, ausdauernder und entwickeln eine neue innere Stabilität.

 

Selbstwirksamkeit ist kein kurzfristiges Ziel – sie ist eine Grundlage für das gesamte Leben.

Für Lernen, für Beziehungen, für den Umgang mit Herausforderungen.

 

Kinder brauchen nicht perfekte Bedingungen.


Sie brauchen Erfahrungen, die ihnen zeigen:
Ich kann etwas bewirken. Ich schaffe das.

 

Und genau dort beginnt Entwicklung – leise, aber kraftvoll. 💚

Bin für Sie da,

Andrea Berghaus