Das Gehirn eines Kindes – ein faszinierendes Wunder
Das menschliche Gehirn gehört zu den erstaunlichsten Organen unseres Körpers. Besonders im Kindesalter entwickelt es sich mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit.
Jeden Tag entstehen neue Verbindungen zwischen Nervenzellen, bestehende Verbindungen werden gestärkt und weniger genutzte wieder abgebaut.
Diese Fähigkeit, sich ständig zu verändern und anzupassen, wird als Neuroplastizität bezeichnet.
Gerade deshalb ist die Kindheit eine besonders wertvolle Zeit, um grundlegende Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und logisches Denken gezielt zu fördern.
Kinder lernen nicht nur durch Wiederholung, sondern vor allem durch sinnvolle Erfahrungen, emotionale Erlebnisse und aktive Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt.
Ein gezieltes Hirnleistungstraining setzt genau an diesen natürlichen Entwicklungsprozessen an.
Wie Erinnern eigentlich funktioniert
Viele Eltern erleben, dass ihr Kind zu Hause stundenlang für einen Vokabeltest gelernt hat und am nächsten Morgen scheinbar alles vergessen ist.
Andere Kinder können sich eine Geschichte kaum merken oder verlieren während einer Rechenaufgabe den Überblick.
Dabei liegt die Ursache häufig nicht in mangelnder Intelligenz oder fehlendem Fleiß. Vielmehr arbeiten verschiedene Gedächtnissysteme nicht optimal zusammen.
Unser Gedächtnis besteht vereinfacht aus drei eng miteinander verbundenen Bereichen:
- dem Kurzzeitgedächtnis,
- dem Arbeitsgedächtnis,
- dem Langzeitgedächtnis.
Alle drei erfüllen unterschiedliche Aufgaben und beeinflussen sich gegenseitig.
Das Kurzzeitgedächtnis –
die erste Haltestelle des Lernens
Das Kurzzeitgedächtnis speichert Informationen für wenige Sekunden bis Minuten.
Es entscheidet zunächst, welche Informationen überhaupt weiterverarbeitet werden.
Ein Kind hört beispielsweise:
"Bitte hole deine Jacke, ziehe deine Schuhe an und nimm anschließend deinen Ranzen."
Das Kurzzeitgedächtnis muss diese Informationen zunächst aufnehmen.
Ist seine Kapazität begrenzt, erinnert sich das Kind vielleicht nur noch an:
"Jacke holen."
Die weiteren Informationen gehen bereits verloren.
Auch beim Lesen spielt das Kurzzeitgedächtnis eine wichtige Rolle.
Während das Kind den zweiten Satz liest, muss es sich noch an den ersten erinnern, um den Sinn des Textes zu verstehen.
Das Arbeitsgedächtnis –
die Schaltzentrale des Denkens
Noch wichtiger für schulisches Lernen ist das Arbeitsgedächtnis.
Man kann es sich wie einen kleinen Schreibtisch im Gehirn vorstellen.
Hier werden Informationen nicht nur gespeichert, sondern gleichzeitig verarbeitet.
Das Arbeitsgedächtnis ist unter anderem notwendig, wenn Kinder
- Rechenwege im Kopf durchführen,
- Texte verstehen,
- Rechtschreibregeln anwenden,
- Aufgaben planen,
- Probleme lösen,
- Geschichten nacherzählen,
- Anweisungen Schritt für Schritt umsetzen.
Beim Kopfrechnen muss ein Kind beispielsweise mehrere Zahlen gleichzeitig behalten und miteinander verrechnen.
Ist das Arbeitsgedächtnis schnell überlastet, entstehen typische Schwierigkeiten:
- Rechenfehler
- Vergessen von Zwischenschritten
- Konzentrationsabbrüche
- langsames Arbeiten
- schnelles Aufgeben
Viele Kinder wirken dadurch unaufmerksam oder verträumt, obwohl sie sich große Mühe geben.
Das Langzeitgedächtnis –
unser Wissensspeicher
Gelernte Inhalte gelangen erst dann dauerhaft ins Langzeitgedächtnis, wenn sie ausreichend verarbeitet wurden.
Dort werden sie langfristig gespeichert.
Dazu gehören beispielsweise:
- Buchstaben
- Wörter
- Rechtschreibregeln
- Einmaleins
- Mathematische Strategien
- Fremdsprachen
- persönliche Erfahrungen
- Bewegungsabläufe
Je häufiger Informationen sinnvoll wiederholt und miteinander verknüpft werden, desto stabiler werden die entsprechenden neuronalen Netzwerke.
Das Gehirn baut gewissermaßen gut ausgebaute "Autobahnen".
Das Abrufen fällt dadurch immer leichter.
Lernen bedeutet Vernetzen
Lernen ist kein einfaches Abspeichern von Informationen.
Das Gehirn vergleicht neue Erfahrungen ständig mit bereits vorhandenem Wissen.
Je mehr Verknüpfungen entstehen, desto leichter gelingt später das Erinnern.
Deshalb lernen Kinder besonders erfolgreich,
- wenn mehrere Sinne angesprochen werden,
- wenn Inhalte spielerisch vermittelt werden,
- wenn Bewegung einbezogen wird,
- wenn positive Gefühle entstehen,
- wenn Lernen Freude macht.
Emotionen wirken dabei wie ein Verstärker.
Was Kinder mit Freude erleben, wird meist deutlich besser gespeichert.
Warum manche Kinder trotz hoher Begabung Schwierigkeiten haben
Viele Kinder verfügen über eine völlig normale oder sogar überdurchschnittliche Intelligenz.
Dennoch zeigen sie Auffälligkeiten beim Lernen.
Häufig liegen die Ursachen in einer eingeschränkten Verarbeitungsgeschwindigkeit oder einer geringeren Belastbarkeit des Arbeitsgedächtnisses.
Das kann sich unter anderem zeigen durch:
- häufiges Vergessen
- Schwierigkeiten beim Merken mehrerer Informationen
- langsames Arbeiten
- Probleme beim Textverständnis
- unsicheres Kopfrechnen
- schnelles Verlieren des roten Fadens
- häufiges Nachfragen
- geringe Ausdauer
Diese Schwierigkeiten lassen sich häufig gezielt trainieren.
Wie Hirnleistungstraining unterstützen kann
Ein modernes Hirnleistungstraining verfolgt nicht das Ziel, Kinder "schlauer" zu machen.
Vielmehr werden grundlegende Denk- und Lernprozesse gestärkt.
Durch abwechslungsreiche Übungen werden verschiedene Hirnfunktionen gleichzeitig aktiviert.
Dazu gehören beispielsweise:
- Aufmerksamkeit
- Konzentration
- Merkfähigkeit
- Arbeitsgedächtnis
- visuelle Wahrnehmung
- auditive Wahrnehmung
- Verarbeitungsgeschwindigkeit
- logisches Denken
- räumliches Vorstellungsvermögen
- kognitive Flexibilität
Die Übungen werden individuell an das Entwicklungsniveau des Kindes angepasst und schrittweise gesteigert.
Dadurch entstehen immer wieder neue Lernreize.
Das Gehirn reagiert darauf mit dem Aufbau neuer neuronaler Verbindungen.
Positive Auswirkungen eines regelmäßigen Trainings
Ein gezieltes Hirnleistungstraining kann viele Bereiche des Lernens positiv beeinflussen.
Kinder berichten häufig, dass sie
- sich Inhalte besser merken,
- Arbeitsaufträge vollständiger umsetzen,
- sich länger konzentrieren können,
- Informationen schneller verarbeiten,
- beim Lesen den Zusammenhang besser verstehen,
- Rechenstrategien sicherer anwenden,
- Vokabeln leichter behalten,
- Gelerntes zuverlässiger abrufen,
- selbstständiger arbeiten,
- mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln.
Auch Eltern und Lehrkräfte beobachten häufig eine zunehmende Lernfreude sowie eine größere Sicherheit im schulischen Alltag.
Was sagt die Wissenschaft?
Die heutige Hirnforschung zeigt, dass das Gehirn bis ins hohe Alter lernfähig bleibt.
Gerade im Kindesalter ist diese Anpassungsfähigkeit jedoch besonders ausgeprägt.
Studien belegen, dass gezielte kognitive Trainingsprogramme verschiedene Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit verbessern können – insbesondere Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und exekutive Funktionen.
Entscheidend ist dabei, dass das Training regelmäßig erfolgt, an die individuellen Fähigkeiten angepasst wird und in einen ganzheitlichen Förderansatz eingebettet ist. Die größten Erfolge zeigen sich häufig dann, wenn das Training mit motivierenden Aufgaben, Bewegung, positiven Lernerfahrungen und einer unterstützenden Begleitung verbunden wird.
Gleichzeitig gilt: Ein Hirnleistungstraining ersetzt keine schulische Förderung oder Therapie, kann diese jedoch sinnvoll ergänzen und die Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen verbessern.
Mein Ansatz in der Lerntherapie
In meiner Praxis steht nicht das Auswendiglernen im Mittelpunkt.
Mich interessiert, wie ein Kind lernt.
Gemeinsam entdecken wir die individuellen Stärken des Gehirns und entwickeln Strategien, die das Lernen erleichtern.
Das Hirnleistungstraining wird dabei gezielt mit weiteren Bausteinen kombiniert:
- Integrative Lerntherapie
- Konzentrationstraining
- Wahrnehmungsförderung
- Gedächtnisstrategien
- Lernmethoden
- Bewegungselemente
- spielerische Übungen
- motivierende Erfolgserlebnisse
Jedes Kind erhält ein individuell abgestimmtes Förderprogramm, das sich an seinen persönlichen Voraussetzungen orientiert.
Lernen beginnt im Gehirn –
Erfolg entsteht durch passende Förderung
Kinder möchten lernen.
Sie möchten verstehen, entdecken und erfolgreich sein.
Manchmal benötigt das Gehirn lediglich die richtigen Impulse, um seine Möglichkeiten besser entfalten zu können.
Ein gezieltes Hirnleistungstraining kann dabei helfen,
- Denkprozesse zu strukturieren,
- Informationen besser zu speichern,
- Wissen sicher abzurufen,
- Konzentration zu verbessern,
- das Selbstvertrauen zu stärken
- und langfristig mehr Freude am Lernen zu entwickeln.
Denn erfolgreiches Lernen bedeutet nicht, möglichst viel auswendig zu wissen.
Erfolgreiches Lernen bedeutet, Informationen zu verstehen, sinnvoll zu verknüpfen und im richtigen Moment wieder abrufen zu können.
Jedes Kind trägt dieses Potenzial in sich. Manchmal braucht es nur den passenden Schlüssel, damit sich die Tür zum Lernen öffnet.
© Wundersam Wirkend – Andrea Berghaus
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder neuropsychologische Diagnostik. Hirnleistungstraining kann die kognitive Entwicklung und schulische Lernprozesse unterstützen, ersetzt jedoch keine ärztliche oder therapeutische Behandlung bei neurologischen oder psychischen Erkrankungen.





